Beitrag vom 23. September 2025

Spitzenforschung und exzellente Köpfe: Max-Planck-Institut eröffnet Neubau für 70 Millionen Euro auf dem Weinberg Campus Halle

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Max-Planck-Institut eröffnet Neubau für 70 Millionen Euro auf dem Weinberg Campus Halle © Du bist Halle

Mit einem feierlichen Festakt am 22. September 2025 hat das Max‑Planck‑Institut für Mikrostrukturphysik (MPI) seinen hochmodernen Erweiterungsbau auf dem Weinberg Campus in Halle (Saale) eingeweiht. Der Neubau markiert einen historischen Schritt für die Wissenschaftslandschaft in Sachsen‑Anhalt und unterstreicht den Anspruch der Stadt, ein Zentrum für Spitzentechnologie zu sein. Rund 70 Millionen Euro wurden in den 12 500 Quadratmeter großen Komplex investiert – ein Großteil davon stammt aus dem Etat der Max‑Planck‑Gesellschaft, 20 Millionen steuerte das Land bei. Der Campus erhält damit nicht nur eine erstklassige Forschungsinfrastruktur, sondern auch einen kräftigen wirtschaftlichen Impuls; mehr als hundert neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Die Feierstunde war hochrangig besetzt: Ministerpräsident Reiner Haseloff, Halles Bürgermeister Egbert Geier, der Kanzler der Martin‑Luther‑Universität Alfred Funk und der Präsident der Max‑Planck‑Gesellschaft Patrick Cramer richteten Grußworte an die Gäste. Das Programm wurde von der Einbringung einer Zeitkapsel in den Boden des Gebäudes gekrönt. Der Festakt machte deutlich, wie eng Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft zusammenwirken, um den Forschungsstandort Halle zu stärken.

Modernste Forschungsinfrastruktur: Reinraum, Labore und Raum für exzellente Köpfe

Der Erweiterungsbau bietet auf 12 500 Quadratmetern Platz für Labore, Büros und eine Verwaltung. Herzstück ist ein 700 Quadratmeter großer Reinraum, in dem unter extrem sauberen Bedingungen Bauteile für die Informations‑ und Energietechnik der Zukunft entwickelt werden. Spezielle schwingungsisolierte Labore ermöglichen atomar präzise Experimente und die Herstellung neuartiger Materialien. Ergänzt wird die Ausstattung durch chemische.

Mit dem neuen Gebäude wächst das Institut von drei auf vier Forschungsabteilungen und bietet künftig bis zu 300 Menschen einen Arbeitsplatz.

Zwei experimentelle Abteilungen, eine Theorieabteilung und die Verwaltung finden hier Raum. Der Bau wurde im Frühjahr 2021 begonnen und soll Ende 2025 vollständig in Betrieb gehen. Während der Bauphase stellte die Martin‑Luther‑Universität ein Grundstück für eine Containeranlage bereit, um Mitarbeitenden vorübergehend Arbeitsplätze zu sichern. Die Planung und Realisierung des Gebäudes wurden von der Stadt Halle und dem Land Sachsen‑Anhalt intensiv begleitet.

Spitzenforschung für Daten, Energie und Gesundheit

Die wissenschaftliche Neuausrichtung des Instituts spiegelt sich im Neubau wider. Die Forschenden beschäftigen sich mit der Herstellung neuartiger Materialien mit atomarer Präzision, der Entwicklung innovativer Konzepte für die Datenverarbeitung und ‑speicherung und mit optischen Methoden zur Untersuchung neuronaler Prozesse. Ziel ist es, Beiträge zu Schlüsselthemen wie Informationstechnologie, Energie und Gesundheit zu liefern. Dank des Reinraums und der hochspezialisierten Labore können Bauteile für zukünftige Speicher‑ und Prozessoren sowie neuartige Energiespeicher erforscht werden.

Moderne Technik im Neubau des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik am Weinberg Campus Halle

Auch jenseits des Neubaus zählt das MPI zu den international führenden Adressen für Material‑ und Bauelementforschung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln nanostrukturierte Komponenten aus anorganischen und organischen Materialien, die Lösungen für die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit ermöglichen – von datenzentrierten Technologien über energieeffiziente Systeme bis hin zu neuromorphen Bauteilen. Interessenschwerpunkte sind Spintronik, neuromorphe Systeme, Nanophotonik und topologische Metalle; das Institut verfügt über umfangreiche experimentelle und theoretische Programme und kooperiert weltweit mit akademischen und industriellen Partnern.

Stimmen zur Eröffnung: Vision, Mut und Demokratie

Der wissenschaftliche Direktor Prof. Stuart Parkin hob in seiner Rede die Bedeutung des Neubaus für die internationale Forschung hervor.

Dieser Bau spiegelt die Grundwerte der Max‑Planck‑Gesellschaft wider: Exzellente Ausbildung, grundlegende Forschung und gesellschaftliche Wirkung“, sagte Parkin und betonte, dass „Innovation Raum, Mut und Exzellenz“ brauche. Angesichts rasanter Fortschritte in der künstlichen Intelligenz könne Halle ein Ort sein, an dem neue Praktiken für die digitale Welt entstehen; zugleich hoffe er, dass junge Forschende aus ihrer Arbeit heraus Start‑ups gründen – „Das wird entscheidend sein für den künftigen Wohlstand Deutschlands“.

Ministerpräsident Reiner Haseloff unterstrich die strategische Bedeutung des Baus.

Wir brauchen wieder Innovationen und einen wirklichen Drang nach vorn“, sagte der promovierte Physiker. Die architektonische Anmutung passe ideal ins Bauhaus‑Land Sachsen‑Anhalt, und man wolle sich an Weltoffenheit, Internationalität und wissenschaftlicher Exzellenz messen lassen – „ohne Arroganz“.

Halles Bürgermeister Egbert Geier nannte die Eröffnung einen „besonderen Tag für Halle, die Wissenschaft und die Zukunft der Stadt“.

Aus Visionen ist Realität geworden“, stellte er fest und hob hervor, dass Sachsen‑Anhalt „die Vorstufe des Paradieses“ sei, weil Forschende hier optimale Bedingungen vorfinden.

Alfred Funk, Kanzler der Martin‑Luther‑Universität Halle‑Wittenberg, erinnerte daran, dass Wissenschaftsfreiheit nicht selbstverständlich sei.

Man muss selbst etwas tun, um Wissenschaftsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit zu behaupten – nicht nur auf die anderen schauen“, mahnte er. Wissenschaft sei stets ein Risiko: „Nicht alle Experimente funktionieren sofort. Aber genau das ist Wissenschaft: Forschen mit Offenheit, nicht mit Garantie“.

Der Präsident der Max‑Planck‑Gesellschaft, Patrick Cramer, schlug den Bogen zur Politik:

Wissenschaftsfreiheit ist genauso ein Grundpfeiler der Demokratie wie Presse‑ und Meinungsfreiheit“, betonte er. Um forschungsgetriebene Entscheidungen zu stärken, brauche es mehr Naturwissenschaftler in der Politik.

Regionale Verankerung und globale Ausstrahlung

Der Erweiterungsbau ist ein Gemeinschaftswerk vieler Partner. Die Universität Halle stellte während der Bauphase ein Grundstück für Containerbüros bereit, und Stadt sowie Land unterstützten das Projekt mit hoher Priorität.

Schon heute arbeiten am Institut Menschen aus mehr als 30 Nationen; rund 200 Beschäftigte aus 31 Ländern bilden eine vielfältige Gemeinschaft, die künftig weiter wachsen soll. Mit dem Neubau wächst die Zahl der Mitarbeitenden auf etwa 300 – ein starkes Signal für den Arbeitsmarkt und die Attraktivität des Standortes.

Auch architektonisch setzt der Bau Maßstäbe. Der ineinander verschränkte Baukörper erinnert an den funktionalen Bauhaus‑Stil und erhält durch eine farbenfrohe Keramikfassade einen futuristischen Akzent. Im Inneren verbindet er bewährte physikalische und materialwissenschaftliche Labore mit hochmodernen chemischen und optischen Laboren. Die Reinräume und schwingungsisolierten Labore schaffen die Voraussetzung für höchste Präzision. Bürgermeister Geier sprach von einer „Vorstufe zum Paradies“ – ein Symbol für die enorme Bedeutung der Innovationen und die verbesserten Forschungsmöglichkeiten. Mit dem Neubau festigt Halle seine Rolle als Wissenschaftsstandort und sendet ein klares Signal für Fortschritt und internationale Zusammenarbeit.

Historie und Standort des Instituts

Die Wurzeln des Max‑Planck‑Instituts für Mikrostrukturphysik reichen bis in die frühen 1960er‑Jahre zurück: Damals wurde es als Institut für Festkörperphysik und Elektronenmikroskopie der Akademie der Wissenschaften der DDR gegründet. Nach der Wiedervereinigung wurde das Institut 1992 neu ausgerichtet und als erstes Max‑Planck‑Institut in den neuen Bundesländern etabliert – eine Zuordnung zur chemisch‑physikalisch‑technischen Sektion der Max‑Planck‑Gesellschaft, die den Aufbau einer international wettbewerbsfähigen Forschungslandschaft in Ostdeutschland einleitete.

Seine heutige Heimat hat das Institut auf dem Weinberg Campus in Halle (Saale). In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich das Fraunhofer‑Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS), das Leibniz‑Institut für Pflanzenbiochemie und die naturwissenschaftlichen Fakultäten der Martin‑Luther‑Universität Halle‑Wittenberg.

Diese räumliche Konzentration von Forschungseinrichtungen fördert interdisziplinäre Kooperationen, stärkt die wissenschaftliche Dichte und macht Halle zu einem Anziehungspunkt für Talente aus aller Welt.

Forschungsschwerpunkte und Besonderheiten

Das MPI für Mikrostrukturphysik erforscht Mikro‑ und Nanostrukturen, insbesondere niedrigdimensionale Systeme wie Oberflächen, Grenzflächen, dünne Schichten, Quantenleitungen und Quantenpunkte. Halbleiter, Isolatoren, Metalle und ferroelektrische Materialien werden atomar präzise hergestellt und untersucht, um neuartige Speicherbauelemente, Sensoren und quantenphysikalische Anwendungen zu entwickeln. Mit hochauflösenden Methoden und Theorieprogrammen gelingt es den Forschenden, die Struktur und Funktion dieser Materialien auf atomarer Ebene zu kontrollieren.

Eine internationale Vorreiterrolle nimmt die Abteilung „Nanostructure Physics of Spintronic and Integrated Electronics“ unter Leitung von Prof. Stuart Parkin ein. Sie entwickelt spintronische Bauelemente, bei denen das magnetische Moment der Elektronen zur Datenspeicherung genutzt wird, und untersucht spinabhängigen Transport in atomar geschichteten dünnen Filmen, magnetoelektrische Effekte in komplexen Oxidheterostrukturen, atomar präzise Schichtsysteme, neuromorphe Geräte und bioinspirierte Materialien sowie topologische Materialien und nichtgleichgewichtige Materialzustände.

Parkins Entdeckungen führten zu einer mehr als zehntausendfachen Steigerung der Speicherdichte von Festplatten; er erhielt dafür den Millennium Technology Prize und den King‑Faisal Prize, publizierte über 670 Fachartikel und hält mehr als 123 Patente – ein eindrucksvoller Beleg für die Innovationskraft der Hallenser Forschung.

Ein weiteres Aushängeschild ist die Abteilung „Synthetic Materials and Functional Devices“ unter Leitung von Prof. Xinliang Feng. Sie verbindet moderne synthetische Chemie mit präziser Materialforschung, um neuartige Polymere, kohlenstoffbasierte Nanostrukturen, Graphen‑Nanoribbons und zweidimensionale Polymere zu entwickeln. Diese Materialien werden für flexible Elektronik, Spintronik, Energiespeicherung und ‑umwandlung genutzt und leisten Beiträge zu gesellschaftlichen Herausforderungen wie sauberer Energie, nachhaltigen Technologien und smarter Mobilität. Mit dieser Kombination aus Grundlagenforschung und Anwendung schafft das Institut einen einzigartigen Mehrwert für die Region und darüber hinaus.

Internationale Vernetzung und Nachwuchsförderung

Als Teil der Max‑Planck‑Gesellschaft ist das Institut eng in ein globales Netzwerk von Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen eingebunden. Gemeinsam mit Partnern werden Themen wie Spintronik, neuromorphe Systeme, Nanophotonik und topologische Metalle vorangetrieben. Diese internationale Verzahnung ermöglicht nicht nur den schnellen Transfer von Erkenntnissen in neue Technologien, sondern stärkt auch die Sichtbarkeit des Standortes Halle auf der Weltkarte der Spitzenforschung.

Mit der International Max Planck Research School for Science and Technology of Nano‑Systems (IMPRS‑STNS) engagiert sich das Institut zudem in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Gemeinsam mit der Martin‑Luther‑Universität Halle‑Wittenberg und dem Fraunhofer‑Institut IMWS bietet die IMPRS ein interdisziplinäres Doktorandenprogramm, das experimentelle und theoretische Kompetenzen in Nanowissenschaften und Nanotechnologie vereint. Diese Nachwuchsförderung sorgt dafür, dass hochqualifizierte Talente in der Region bleiben und den Wirtschaftsstandort Mitteldeutschland nachhaltig stärken.

Fazit: Ein Leuchtturm aus Halle für die Welt

Der neue Forschungsbau des Max‑Planck‑Instituts für Mikrostrukturphysik ist weit mehr als ein Gebäude. Er bündelt exzellente Köpfe, modernste Infrastruktur und eine klare Vision für die Zukunft.

Mit 70 Millionen Euro Investitionsvolumen, einem 700 Quadratmeter großen Reinraum und spezialisierten Laboren schafft das Haus die Grundlage für bahnbrechende Entwicklungen in der Mikro‑ und Nanostrukturphysik.

Gleichzeitig bietet es Raum für 300 Menschen aus aller Welt, die gemeinsam an Lösungen für die drängendsten Fragen unserer Zeit arbeiten.

Für die Stadt Halle und die Region Mitteldeutschland ist der Neubau ein Symbol des Aufbruchs. Er zeigt, dass Spitzenforschung nicht allein in Metropolen stattfindet, sondern auch in traditionsreichen Wissenschaftsstädten wie Halle eine Heimat hat. Die Vision von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft ist klar: Aus dem Weinberg Campus heraus sollen Ideen entstehen, die die Informations‑ und Energietechnologien von morgen prägen. Junge Talente erhalten nicht nur erstklassige Bedingungen, sondern auch die Möglichkeit, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen Unternehmensgründungen zu entwickeln – ein Motor für Wachstum und Zukunftsfähigkeit. Halle sendet damit ein motivierendes Signal in die Welt: Hier entsteht die Zukunft, getragen von Neugier, Mut und dem festen Willen zur Exzellenz.

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